eine Reise nach innen

Fortsetzung von „Malaysias Krankenhäuser sind anders“

Irgendwann bin ich wohl doch eingeschlafen, trotz dem ständigen Piepsen der Geräte, an denen schwer Kranke angeschlossen waren und dem abermaligen Blutdruckmessen und Wechseln der Infusionsflasche.

Morgens um 5.30 Uhr wurde ich jedoch wieder unsanft, wie ich empfand, geweckt. Eine Schwester warf mir einen Schlafanzug aufs Bett und forderte mich lautstark auf, mich umzuziehen. Ein nicht so einfaches Unterfangen, da ich ja am Tropf hing und an der anderen Hand die Kanüle schmerzte. Liebevoll half mir die Besucherin der Patientin neben mir, ins Bad hinaus zu gehen und mich dort umzuziehen. Denn sich im Krankenzimmer umzuziehen war ein absolutes no-go!

Sogar die Untersuchungen wurden nicht auf nackter Haut durchgeführt. Das Stethoskop wurde auf dem Nachthemd aufgesetzt und das Abtasten des Abdomen ebenfalls  nur auf Stoff durchgeführt. Der „Schlafanzug“ entpuppte sich als Oberteil in Form einer Jacke und das Unterteil als riesengroßer Rock, ein weiter Stoffschlauch so in etwa Größe 58! Ich verstand nicht, was ich damit anstellen sollte. Ich habe Konfektionsgröße 38!  Als die hilfsbereite Frau meine Ratlosigkeit sah, half sie mir, den Rock an zu ziehen und geschickt in eine große Falte zu legen und am Bund festzustecken. Jetzt verstand ich: Das war eine Art Sari. Man lernt wirklich nie aus! Ich wollte immer schon mal einen Sari anprobieren – allerdings nicht unbedingt in einem Krankenhaus J.

Ich vergaß die Kanüle der Infusionsflasche zuzudrehen, bevor ich ins Bad ging. Nun stieg das Blut aufwärts den Schlauch hoch und verteilte sich in der Flasche. Es sah gruselig aus. Die Schwester kam auf mein Bitten und stöpselte einen neuen Tropf an. Aber entweder übte sie noch, oder es wollte einfach diesmal nicht klappen. Das Anstöpseln funktionierte nicht und mein Blut färbte schnell die Bettdecke dunkelrot. Irgendwann verlor die junge Schwester die Geduld, nahm den ganzen Schlauch samt neuer Flasche ab und verschloss die Kanüle an meinem Arm. Eine Ärztin nahm sich dann meiner an und schloss versiert und fachmännisch (kann man fach-weiblich sagen?) eine neue Infusion an. Leider passierte es mir noch drei Mal, dass ich entweder vergaß den Tropf zu schließen, während ich zur Toilette ging, oder ich drehte in die falsche Richtung: ganz weit auf, statt zu. Ich war einfach schwach und wirklich krank. Es funktionierte auch mit dem Denken noch nicht wieder richtig. Ich entschuldigte mich bedauernd aber alle Ärzte und Schwestern waren freundlich und nicht nachtragend.

Meine Venen waren kollabiert und  der junge Arzt konnte keine Spritze setzen, um Blut abzunehmen.  Nach dem vierten Versuch, es schmerzte inzwischen schon sehr, bat ich um eine Pause. Gott sei Dank „gab er auf“ und eine Ärztin, die sich dann meiner annahm, schaffte es nach dem zweiten Versuch mir genügend Blut abzunehmen. Irgendwie verrückt, da vorher mein Blut nur so aus der offenen Kanüle schoss.

Als ich dann sah, wie der gleiche Arzt einer Patientin mir gegenüber ebenfalls versuchte Blut ab zu nehmen und es nicht funktionierte, hatte ich großes Mitgefühl mit ihr, denn nun stachen sie auch noch erfolglos in ihre Fuß-Venen.

Im Laufe des Vormittags kamen immer mehr Besucher. Um jedes Krankenbett standen ungefähr fünf Personen von jung bis alt. Kinder und Großmütter umringten das Bett und unterhielten sich lautstark miteinander. Die Männer lasen meist die Zeitung und die Frauen kümmerten sich um die Patientin oder um ihre mitgebrachten Kinder.  Am Bett direkt neben mir war auch ein entzückendes Mädchen, mit großen dunklen Augen und pechschwarzem, langem Haar. Es kratzte sich beständig am Kopf und so nahm sein Vater es auf den Schoß und lauste es, wie ein Affe sein Kind. Ich zog mich in die hinterste Ecke meines Bettes zurück und überlegte, ob Läuse fliegen können.

Eine Patientin durfte nach Hause gehen. Lautstarkes Palaver der ganzen Familie begleitete die Aktion. Sie wurde abgeholt von acht Angehörigen, Kindern wie Großeltern. Unglaublich, welche Unruhe in diesem Krankenzimmer herrschte, in dem auch schwer Kranke an Überwachungsgeräten lagen.

Für mich war alles beeindruckend und spannend und da endlich das krampfhafte Erbrechen vorbei war, lenkte mich der Trubel gut ab von meinen eigenen ängstlichen Überlegungen.

Um 11 Uhr, ich wurde bis dahin zweimal komplett untersucht, brachte man mir etwas Reis zu Essen. Ich war gespannt, ob ich wieder essen könne und vor allem, ob es auch blieb wo es war, nach dem ich es geschluckt hatte. Ich freute mich, da ich wieder so etwas wie Appetit verspürte und tatsächlich schmeckte der einfache Reis wie ein königliches Mahl.

Der Tee dazu schmeckte scheußlich, aber wenn ich vom Tropf weg kommen wollte, musste ich wieder genug trinken.

So schnell und heftig der ganze Spuk begonnen hatte, so schnell ging es mir wieder besser. Ich konnte meine Befürchtung, eine schlimme Tropenkrankheit erwischt zu haben, loslassen. Als am Nachmittag mein Mann kam und mir ein großes Kompliment zu meinem Aussehen machte, wusste ich, dass ich über dem Berg war.

Die Reise von 9,5 Stunden bis nach Singapur würde ich allerdings noch nicht überstehen. So fuhren wir nach meiner Entlassung erst einmal in 3,5 Stunden bis Kuala Lumpur und freuten uns, die Petronas Towers nun doch noch in all ihrer Pracht sehen zu können. Nach einem Abendessen von unseren letzten Malaysischen Ringits  und einer erholsamen Nacht in einem einfachen aber sauberen Hotel fuhren wir weiter nach Singapur, um unseren Flug nach Hause antreten zu können.

Wir sind gut zu Hause angekommen. Ich habe alles gut überstanden: die Reise mit dem Bus nach Singapur, den 13 stündigen Flug nach München und die Kälte, die uns daheim empfing.

Ich habe viel gelernt auf dieser Reise. Nicht nur im Camp, das wirklich viele „AHA’s“ für mich bereit hielt, sondern auch bei dem ganzen Drum Herum wie die weite Reise und dem Aufenthalt in der malaysischen Klinik.

Ich habe gelernt, für mich einzustehen. Habe gelernt, dass ich viel leisten kann und doch auch, dass nicht alles mit dem Willen machbar ist. Wir sind alle in Gottes Hand. Und diese Erkenntnis macht mich demütig und dankbar und befreit mich auch von dem Druck des „allzeit alles machbar machen Müssens“.

Ich kann jedem nur Empfehlen, sich solch eine Reise zu gönnen. Ich meine jetzt nicht unbedingt eine Reise nach Malaysia, sondern eine Reise nach innen. Sich mit sich zu beschäftigen und in sich zu investieren ist eine gute Entscheidung für mich gewesen.

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Herzlichst, Ihre Laura Milde

Bekannt als die wilde Milde

2 comments
Miri Lohner says November 13, 2011

Hi,

du kannst wundervoll schreiben. Du bist sehr stilvoll und witzig. Ich mag die Art wie du schreibst sehr. Wieviele Bücher gibt es von dir? Wo kann ich eines erwerben.
Gruß und mach weiter so.
LG Miri

    admin says November 14, 2011

    Grüss Dich, liebe Miri,
    danke für Deine Anerkennung! Freu mich darüber total…
    Ich bin am Schreiben von 3 Büchern – das erste „Feuer-Frau“ – mein Weg vom Opfer zur erleuchteten Kriegerin ist im Endspurt… ich denke, im Februar ist es soweit, dann gibt es das Buch bei Amazon
    ich wünsch Dir eine super gute Woche,
    herzlichst, die Laura

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